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Journal    Juli 

Bekannte Polinnen und Polen

Andrzej Szczypiorski(1924 - 2000) Der vor kurzem gestorbene Schriftsteller und Journalist, war ein Warschauer, obwohl es das Warschau seiner Kindheit, wo die Begegnung mit Juden und Deutschen etwas Selbsverständliches war, nicht mehr gäbe, wie er sagte. In der Zeit vor der politischen Wende in Polen waren seine Bücher nicht immer offiziell herausgegeben worden. Während des Kriegsrechts wurde er sogar interniert (1981 -82).

Das Schriftstellersein als politische Verantwortung zu sehen, Themen aufzugreifen, die unbequem, ja schmerzvoll sind, gehörte zu seinem schöpferischen Credo, aber gleichzeitig alles tun, um der Versöhnung zu dienen. Andrzej Szczypiorski´s Engagement galt auch der offiziellen Politik, er war eine Zeitlang Senator in dem neuen, demokratischen Parlament in Polen.

Viele seiner Werke sind ins Deutsche übersetzt; sehr bekannt besonders  „Die schöne Frau Seidenman“ und „Eine Messe für die Stadt Arras“.

Das (weniger) bekannte Polen

Pu³awy ist eine Stadt an der Weichsel, ca. 120 km südlich von Warschau, mit ca. 45 tsd. Einwohnern. Seine Anfänge sind mit dem Handelsweg Weichsel verbunden. Später auf der Anhöhe über dem Fluß, ist ein Jagdschloß gebaut worden. Zuerst in Besitz von Lubomirski, dann der Sieniawski-Famile wurde es mehrfach umgebaut. Den klassizistischen Palast schuf an der Wende vom 18. zum 19. Jh. Ch. P. Aigner für die Fürstenfamilie Czartoryski. Seine goldene Zeit erlebte der Palast unter Isabella Czartoryska, die den ca. 30 ha großen Park im romantischen englischen Stil gestallten ließ, mit einigen klassizistischen und neogotischen Bauten. In dem Pavillion, genannt Dom Gotycki, war seit 1809 eine Kunstsammlung untergebracht (damals Werke von Leonardo da Vinci, Rafael oder Rembrandt), die als erste polnische Museum gilt. Œwi¹tynia Sybillie Replique des Vestatempel in Tivoli bei Rom, dort hat Isabella Czartoryska Erinnerungsstücke über große und berühmte Polen gesammelt. Heute sind die meisten Gegenstände im Czartoryski Museum in Krakau zu sehen. Der Palast beherbergt schon seit langem ein landwirtschaftliches Forschungsinstitut, darf aber besichtigt werden, wie auch andere Gebäude im Park.

Eine für die Deutschen interessante Geschichte: Von der Zarin Katharina II eingesiedelte deutsche Handwerker, sollten in Pu³awy den „Deutschen Geist“ verbreiten. Aus diesen Plänen wurde aber nichts: schon die zweite Generation der deutschen Imigranten engagierte sich stark patriotisch für ihre neue Heimat und lehrte (illegal - es war ja die Zeit der Teilung Polens) die Landbevölkerung das Lesen und Schreiben auf Polnisch.

 

Etwas für den Gaumen

Kalte Suppen (ch³odniki), das ist etwas für die heissen Sommertage.

Als Basis dient Dickmilch oder Naturjoghurt, das mit frischen, fein geschnittenen Kräutern (Schnittlauch, Dill, Schnittknoblauch, Basilikum etc.) und Rohkost (Gurke, Rettich oder Radieschen) vermischt wird.

Die Suppe wird in den tiefen Tellern serviert, garniert mit geschnittenen gekochten Eiern. Als Beilage Kartoffeln oder Buchweizen auf einem extra Teller.

Je nach weiteren Zutaten gibt es verschiedene Versionen:

I. Mit Rote-Rüben (bzw. rote Beete): Pro Person eine ganz junge rote Beete nehmen (wichtig ist, daß die Stengel und Blätter noch schön und zart sind, denn sie werden auch verwendet), in Würfel schneiden, (die Wurzel vorher abschaben), kurz mit einer Tasse Brühe aufkochen, abkühlen lassen, eine Teelöffel Obstessig dazu geben. Mit den restlichen Zutaten (siehe oben) verrühren, in den Kühlschrank für 1-2 Stunden stellen. Man kann zusätzlich Rote-Rübenmost  (im Reformhaus oder Naturkostladen erhältlich) hinzufügen.

II. Mit Salzgurken (kiszone ogórki): 1 Glas Salzgurkenwasser, eine Tasse kalte Brühe, 1-2 Saure Gurken (in Würfeln geschnitten) pro Person. Salz-Dill-Gurken, naturvergoren, gibt es z.B. auch beim schlesischen Metzger (s.Tipps) oder man/frau macht es selbst - Rezept folgt in einer der nächsten Ausgaben

 

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Journal    August 

Bekannte Polinnen und Polen

Janusz Korczak (1878-1942), bekannter Theoretiker der Erziehungslehre, Pädagoge, Arzt, Sozialaktivist, hieß eigentlich Henryk Goldszmit. Unter dem Namen Janusz Korczak ist er in Polen und in anderen Länder als Kinderbuch- autor bekannt, u. a. durch Bücher wie „König Hänschen“ oder „Kajtus der Zauberer“. Seine pädagogischen Ideen lebte er sein Leben lang bis zur letzten Konsequenz. Als Mitgründer und Mitarbeiter der Waisenhäuser in Warschau widmete er sich liebevoll den ihm anvertrauten Kindern und bei der Auflösung der Waisenhäuser während der deutschen Besatzung begleitete er freiwillig seine kleinen Schützlinge, die vom Ghetto nach Treblinka abtransportiert wurden und starb zusammen mit ihnen. Neben seinen pädagogischen Werken sind natürlich auch die Kinderbücher Korczaks für Erwachsene zu empfehlen, wie auch sein schönes Buch „Allein mit Gott, Gebete eines Menschen, der nicht betet“.

Das (weniger)bekannte Polen

Miêdzychód liegt  an der Wartha ca. 80 km nordwestlich von Posen und ist von Seen und Wälder umgeben. Eine Stadt, die auf eine lange Geschichte blicken kann (schon vor 1400 als Stadt erwähnt), war im 16. Jh.  starkes Zentrum des Protestantismus und der Tuchfabrikation. Seit 1793 von Preußen annektiert. Trotz  des Kampfes der Einwohner während des Großpolnischen Aufstandes (1918-1919) erst nach 1945 wieder dem polnischen  Staat angegliedert. Heute ist Miêdzychód der Standort der  Obst- und Gemüseverarbeitung und eine Erholungsregion. Besonders zu empfehlen für ökologisch Interessierte Radfahrer, Reiter, Wassersport-Liebhaber, Angler und Pilzsammler.  In der  Stadt und Umgebung gibt es viele verschiedene Unterkünfte.

Miêdzychód ist seit 10 Jahren in Städtepartnerschaft mit Weinstadt.

 

 

Etwas für den Gaumen

Salz-Dill-Gurken

Gurken waschen (eventuell mit einer Gabel an einigen Stellen anstechen), große Gurken unten, kleine oben in ein Steinguttopf (oder Glas, etc.) geben, Dillsamen (1 Teelöffel) darüber streuen, eine geschälte Knoblauchzehe hinzufügen. Mit dem lauwarmen Salzwasser (1 gestrichener Eßlöffel  Salz auf 1 Liter Wasser) übergießen. Die Gurken mit einem Tellerchen so zudecken, dass sie ganz mit der Flüssigkeit  zugedeckt sind, das Ganze mit einem Baumwoll- oder Leinentuch abdecken. (Man kann auf das Tellerchen noch ein verschlossenes Gefäß mit Wasser stellen, um es besser zu beschweren.) In der Küche an einer warmen Stelle aufbewahren und 2-mal am Tag auf das Tellerchen drücken, dass die Luft entweichen kann. Wenn sich auf der Oberfläche eine Haut bildet, kann man sie entfernen (aber sie schadet nicht). Je nach der Außentemperatur dauert die Gärung 5-7 Tage. Die naturvergorenen (sauren) Gurken, wenn sie fertig sind, im Kühlschrank aufbewahren. Gurkenwasser kann man trinken, pur oder mit Joghurt (bzw. Sauermilch) vermischt.

 

Eine Soße aus Waldpilzen

Es gibt sie manchmal auf dem Markt oder beim Gärtner, die Pfifferlinge, Steinpilze oder andere Waldpilze. Die Sachkundigen sammeln sie selbst. Hier ein einfaches Rezept :

Für 2 Personen mindestens 100 g Pilze säubern und beliebig fein schneiden. Eine größere Zwiebel schälen, fein würfeln in etwas Öl oder Butter in der Pfanne 5 Min. andünsten, Pilze hinzufügen und weiter dünsten ca. 15 Min. Salzen, pfeffern mit Sahne fast aufkochen, gehackte Petersilie unterrühren. Mit ge- kochten Kartoffeln, Kartoffelpuffer, Reis, Quinua oder Buchweizen servieren.

 

Buchweizengrütze

1 Glas Buchweizen, 1,5 Glas Wasser, Fett, Salz.

Buchweizengrütze (ganz) auf der trockenen Pfanne anrösten (wenn sie hell ist). In Polen kann man bereits geröstete Buchweizengrütze (kasza gryczana) kaufen. Sie ist gesünder (enthält mehr verwendbares Eiweiß) und schmeckt würziger. Die Grütze im Fett kurz anbraten, mit Wasser ablöschen und salzen. Auf kleiner Flamme 7 Min. köcheln lassen, dann ist kaum Wasser sichtbar. Den Topf zudecken und in einer Decke gewickelt (oder in einem Styroporübertopf)  mindestens eine halbe Stunde garen lassen.

 

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Journal    September 

Bekannte Polinnen und Polen

Maria Sk³odowska-Curie (1867- 1934) ist in Warschau geboren, das sich damals in dem von Russland annektiertem Land befand. Mit dem Zweck weiter zu studieren begab sie sich nach Paris zur Sorbonne. Zusammen mit ihren Ehemann Pierre Curie betrieb sie umfangreiche/weitangelegte Forschungen im Bereich der Physik und Chemie, die 1898 zur Entdeckung zweier radioaktive Elemente, Polonium und Radium, führten. Sie bekam zwei Nobelpreise: 1903 zusammen mit ihrem Gatten im Bereich der Physik und 1911 alleine in Chemie. Seit 1904 leitete sie das Laboratorium und nach dem Tode ihres Mannes 1906 übernahm sie seinen Lehrstuhl für Radioaktivität an der Sorbonne. Sie inizierte den Aufbau des Radium-Instituts in Paris, half bei der Organisation der Radiologischen Abteilung der Warschauer Wissenschaftlichen Gesellschaft und des Radium-Instituts in Warschau.

In einigen, vor allen französischen Biografien, wird manchmal ihre polnische Abstammung übergangen, daher ist sie mehr als Französin Marie Curie bekannt – jede Nation rühmt sich gern mit Nobelpreisträgern und anderen berühmten Persönlichkeiten und stellt sie als Zugehörige des eigenes Volkes dar.

In Polen trägt den Namen der Maria Curie-Sk³odowska die staatliche Universität von Lublin.

 

Etwas Geschichte

Der 1.September. An diesem Tag finden in Polen Gedenkfeiern zum Jahrestag des deutschen Überfalls auf Polen und damit des Anfangs des Zweiten Weltkrieges statt. Dieses schon so weitentfernte Datum ist ein Symbol der immer noch nicht überwundenen Schwierigkeiten in den polnisch-deutschen Beziehungen. Obwohl schon sehr viel Gutes für das gegenseitige Kennenlernen getan wurde, gibt es auf beiden Seiten noch viele negative Stereotypen und Vorurteile, die besonders am 1.September in Erinnerung gerufen werden und die Grenzen der Versöhnung spüren lassen.

Viel einfacher wurde das Treffen von Polen und Deutschen, während der Feierlichkeiten zur 20. Jahrestag der Entstehung von „Solidarnoœæ“. Viele bekannte deutsche Politiker kamen nach Danzig, wo ihren Worten zur Folge der Fall der berliner Mauer begann.

 

Andere Länder, andere Sitten

Die langen Sommerferien, die beinahe zweieinhalb Monate dauerten, gingen bereits zur Ende und gemäß der Tradition am fing 1.September  das neue Schuljahr an. An diesem Tage gehe dien Kinder und Jugendliche sehr elegant angezogen in die Schule, häufig sogar in weiß und dunkelblau. Elegante Kleidung wird bei allerlei Prüfungen, auch während des Studiums, geradezu erwartet, und diesen Regeln ordnet sich immer noch ein Grossteil der Jugend unter.

In diesem Schuljahr beginn der Unterricht gemäß dem neuen Schulprogramm: nach sechs Jahren der Grundschule (und einer Prüfung) gehen alle Kinder für drei Jahre ins Gymnasium und erst danach, nach der neunten Klasse wird entschieden, in welcher Schule sie weiterlernen (bisher dauerte die Grundschule 8 Jahre). Momentan ist die größte Sorge das Ergattern der Lehrbücher, derer Kosten nicht unerheblich sind: für einen Gymnasiasten ca. 400 zloty (umgerechnet 200 DM), wobei die Monatseinkommen um einiges niedriger sind als in Deutschland.

Journal     Oktober / November 

Bekannte Polinnen und Polen

Józef Pi³sudski (1867- 1935) ist in Zu³ów bei Wilna  geboren, seine Familie gehörte dem Landadel an. Seine Mutter hat ihm und seinen Geschwistern die Liebe zum Vaterland, zu Polen eingeprägt und Abscheu dem Okkupanten, also Russland gegenüber.  Der Russifizierungsprozess, tendenziöse Geschichteunterricht, die persönliche Erfahrung  der Repressionen aus Nationalitätsgründen  haben ein tieferes Interesse für neueste Geschichte Polens und den Drang nach Taten geweckt. Pilsudski engagierte sich in der sozialistischen Bewegung. Für die Kooperation mit den Organisatoren des Attentats auf den Zar Alexander III wurde er verhaftet und dann für  5 Jahre nach Sibirien verbannt. Von dort kehrte er als schon geformte Person, Politiker und Kämpfer für die Idee der Unabhängigkeit Polens zurück. Er gestaltete aktiv Polnische Sozialistische Partei(1892) mit, war der Chefredaktor des „Robotnik“, ihres Parteiorgans. Nachdem er wegen dieser illegalen Tätigkeit inhaftiert wurde, gelang es ihm zu flüchten und mit Hilfe der Freunde nach Lwow zu gelangen, der sich schon in österreichisch besetzten Teilungsgebiet befand. Dort beschäftigte er sich mit der  Schaffung der polnischen, militärischen Freiheitsorganisationen.  Die Schützenvereine  waren auch (illegal) in russischbesetzten Gebieten aktiv. Es ist schwer zu sagen, wann die Legende um Pilsudski entstand, die Autoren vieler Bücher über ihn sind darüber unterschiedlicher Meinung.  Es ist aber sicher, dass Pilsudski in die Geschichte eintrat als Gründer der Legionen, die während des ersten Weltkrieges auf österreichischer Seite gegen  Russland kämpften.

 

Pilsudski verband sich mit den zentralen Mächten, um mit ihrer Hilfe das unabhängige Polen zu schaffen.  Sobald er erkannte, dass es auf der deutsch-österreichischen Seite keinen politischen Willen dafür gab,  zog er sich von den Legionen zurück und  richtete die Aktivitäten der Polnischen Militärischen Organisation (P.O.W.) gegen  Deutschland, was zu seiner Inhaftierung in der Magdeburger Festung führte( 1917-1918).  Während der Novemberrevolution in Deutschland wurde er freigelassen und kehrte nach Polen zurück, wo sich die Übergangsregierung sofort seiner Leitung unterordnete. Pilsudski wurde Staatsoberhaupt (1919-1922) und Marschall Polens (ab 1920) und führte die Politik der Grenzfestlegung überwiegend auf militärischem Wege. 1923 zog er sich von der Politik bis zum Jahre 1926 zurück, befor er erneut  durch den sog. Maiumsturz an die Macht kam. Pilsudski wollte die Macht über die Armee haben, die in seiner Interpretation national und apolitisch war und durch sie die Kontrolle über das parlamentarische System ausüben.  Deshalb übernahm er nur für sehr kurze Zeit in den Krisensituationen das Amt des Premiers.

 

Trotz der diktatorischen Regierungsmethoden und der Prozesse gegen  Oppositionsführer blieb Pilsudski für viele spätere Oppositionelle ein Vorbild des Politikers und Patrioten. Die Faszination  seiner Person  hat die Zeit der sozialistischen Propaganda nach dem Zweiten Weltkrieg überdauert, als über ihn nur schlecht oder gar nicht gesprochen wurde.  In der Zeit der Entstehung von „Solidarnoœæ“ erschienen mannigfaltige  Schriften über ihn, manche an der Grenze zur Hagiografie. Um verschiedene zeitgenössische polnische Politiker und Denkarten zu verstehen lohnt es sich, etwas mehr über Josef Pilsudski zu lesen.

 

Andere Länder, andere Sitten

Einen Besucher aus Deutschland wird der polnische Herbst (wenn er nicht gerade „golden“ ist) etwas traurig erscheinen. Weder lustige Feste zur Weinlese, noch solch traditionellen Volksfeste wie das Oktoberfest in München oder der Cannstatter Wasen in Stuttgart. Auf den Straßen laufen keine Kinder mit bunten Laternen, der 11.11. markiert nicht den Faschingsanfang, und es gibt keinen  Martinsumzug, den ein „römischer“ Soldat zu Pferde anführt. Es wird angenommen, da in Polen kurz hinter Posen die Grenze zwischen den Gebieten verläuft, wo der Hl. Martin und der Hl. Nikolaus besonders verehrt werden. Daher kann man in Posen die Martinhörnchen essen, in Ostpolen ist diese Sitte unbekannt. Früher  aß man ähnlich wie in Deutschland  am Sankt Martinstag ein Festmahl mit dem Gänsebraten.

 

Der 11. November hat in Polen eine andere Bedeutung – es ist ein Unabhängigkeitstag. An diesem arbeitsfreien Tag erinnert man sich an die Neuenstehung des polnischen Staates(1918) nach über 120 Jahren der Unfreiheit während der Teilung.  An diesem Tag übernahm Jozef Pilsudski , nach seiner Rückkehr aus der Gefangenschaft, die Macht in Polen. Im sozialistischen Polen ist dieser Feiertag nicht offiziell begangen worden, der Unabhängigkeitfeier war der 22. Juli, der Tag an dem das PKWN-Manifest, das Programm der Übergangsregierung, bekannt gemacht wurde.

Es gibt aber einen Tag im November, an dem das Licht eine große Rolle spielt, es ist der 1. November. An diesem Tag lohnt es sich,  zur Dämmerung zum Friedhof zu gehen, auch wenn man dort keine einem nahe stehende Menschen hat.  Die Gräber, geschmückt mit den Tannenzweigen und Herbstblumen, und die flakernden Kerzenflammen dazwischen, hinterlassen einen unvergesslichen Eindruck. In Warschau, im Friedhof Pow¹zki, wo sich die Gräber von Aufständischen (Warschauer Aufstand 1944), Soldaten und verschiedenen bekannten Persönlichkeiten finden, sind immer besonders viele Leute und hier sammelt man für charitative Zwecke.

 

Am 29.November, am Vorabend des Namenstag von Andrzej (Andreas), treffen sich viele Mädchen zum traditionellen „Andrzejki“- Wahrsagen. Es wird Wachs gegossen und gemeinsam die Schatten interpretiert, die  die Wachsfiguren werfen. Um zu erfahren, mit welchem Buchstaben der Name des zukünftigen Ehemannes anfangen wird, wirft man die Schale eines Apfels hinter sich und die Gestalt,  zu welcher sie sich formt, errinert immer an einen Buchstaben! Kann man diesen oder anderen Wahrsagen glauben? Auf jeden Fall geht es an einem Andreasabend lustig zu. Einst haben sich am Vorabend von Katherinas Namenstag, am 24. November, die Jungen zum Wahrsagen getroffen, diese Sitte ist aber verschwunden. „Andrzejki“ aber finden oft in gemischter Gesellschaft statt, genau an Andreas Namenstag am 30.11.  Nun, die Zeiten ändern sich!

Fasching  Sonderausgabe

... "halb im Scherz, halb im Ernst" ...

 

Andere Länder, andere Sitten

Scherze, Spässe, Witze ...

Fast jeder, der schon mal in Polen war oder polnische Freunde in Deutschland hat, muss früher oder später mit polnischen Witzen in Berührung kommen. Für die Ausländer in jedem Land gehört das Verstehen der Scherze zur "höheren Reitschule". Denn viele Spässe beinhalten Anspielungen auf bekannte Redewendungen, Sprichwörter, spezifische politische oder soziale Situationen bzw. bekannte Politiker und andere Prominenten. Aber das ist nicht das Schwierigste: die meisten Probleme bereiten die Witze, die auf dem Wortspiel aufgebaut sind und so gen. abstrakte Scherze oder Rätsel, derer Lustigheit in ihrer Sinnlosigkeit liegt. Zur Illustration einige  Schülerscherze und Witze über das "Weib", das zum Arzt kommt, die ein Kultstatus genießen.

 

- Was für ein Wort benutzen die Kinder in der Schule am häufigsten? - fragt der Lehrer den Schüler.

- Ich weiss nicht. - antwortet der Schüler.

- Sehr gut! Deine erste richtige Antwort in diesem Schuljahr.

                                                      ***

- Kasia, was für ein Schulgegenstand * magst du am meisten? - fragt die Tante.

- Die Klingel - antwortet Kasia.

* przedmiot = Gegenstand, Ding, Schulfach

                                                      ***

In der Geographie - Stunde fragt der Lehrer Tomek:

- Wo liegt Kuba*?

- Kuba* liegt zu Hause und ist krank...

* Kuba = südamerikanische Insel, Koseform des Namens Jakub

                                                    ***

Wer früh aufsteht ... der ist schläfrig.

* Anspielung auf das Sprichwort: "Wer früh aufsteht, wird von Gott beschenkt".

                                                    ***

- Warum bist du so angespannt? - fragt der Knopf die Sicherheitsnadel.

- Das geht dich einen "Knopf" (einen Schmarren) an - antwortet die Sicherheitsnadel.

                                                   ***

Das Weib kommt zum Arzt und sagt:

- Herr Doktor, ich habe Gedächtnisschwund.

- Seit wann? - fragt der Arzt.

- Was seit wann? - fragt das Weib.

                                                 ***

Das Weib kommt zum Arzt und der Arzt ist auch ein Weib.

                                                  ***

Das Weib kommt zum Arzt und der Arzt fragt es:

- Was fehlt Ihnen?*

- Schneiderin.

* die Frage Co pani jest? hat noch andere allerdings im Polnischen unkorrekte Bedeutung: Was sind sie von Beruf? (wird in dieser Form nur von ungebildeten Menschen benutzt) so etwa wie:

 "was ist Ihnen?" und "was ist es (das Weib von Beruf) ?"

                                              ***

Das Weib kommt zum Arzt und der Arzt fragt es:

- Was essen* Sie ?

- Kraut.

* Eigentich soll der Arzt: Co pani jest? (Was fehlt Ihnen?) fragen. Durch die ungenaue Aussprache (die durchaus anzutreffen ist) wird daraus Co pani je? (Was essen Sie?) Wenn man an ähnliche Aussprache von "isst" und "ist" denkt ...

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Das Weib kommt zum Arzt mit einem Strumpf auf dem Kopf und der Arzt fragt es:

- Was fehlt Ihnen?

- Keine Witze Kumpel, das ist ein Überfall!

 

Sternsinger, Krippen, Verkleidete ...

Karneval ist im Gange. Es finden Maskenbälle, Tanzveranstaltungen statt. In Polen ist es nicht üblich, wie es in vielen Regionen Deutschlands der Fall ist,  die Faschingsumzüge oder Sitzungen der Karnevalgesellschaft abzuhalten. Es sollen aber keine "p¹czki" fehlen, die ähnlich wie Berliner bzw. Pfannkuchen aussehen. Die meisten werden am "Schmutzigen Donnerstag" verkauft und die bekanntesten gibt es bei der Warschauer Blikle´s Konditorei. Selbstgemachte "p¹czki" werden lauwarm auch noch am Silvesterabend gereicht.

Immer seltener kann man in Polen die "kolêdnicy" treffen, die früher nach Weihnachten in den Dörfern und Städtchen herumgewandert sind, Weihnachtslieder singend und die "jaselka", lustige Vorstellungen über weihnachtliche Themen (manchmal mit politischen Anspielungen), vortragend. Als Belohnung haben sie die Bewirtung und etwas Alkohol bekommen, oder sogar Geld. Man kann sie noch in den Dörfern treffen die bewußt die alte Traditionen pflegen. Manchmal werden die "jaselka"  Vorstellungen bei der Kirche organisiert, die Kinder bereiten sie vor, aber dann haben sie eher einen liturgischen Charakter. In Krakau ging man in die Wohnungen mit einer Krippe, die Kleinausgaben der wichtigen Bauten aus dem Krakauer Marktplatz darstellte. Manchmal lebt die Jugend diese Tradition weiter und bessert auf diese Weise ihr Taschengeld auf. Die Krippenaustellungen finden jedes Jahr in Krakau statt. Außerdem gibt es schon seit Jahren eine "Neujahrskrippe" im Fernsehen, eine Art Kabaretts, in dem man sich über Politiker und andere Prominenten lustig macht.

 

Etwas für den Gaumen

P¹czki

Füllung: 150g abgetropfte, leicht erwärmte Zuckerrosenkonfitüre gemischt mit 80g geschälten und gemahlenen Mandeln.

Teig:

Einen Vorteig aus: 100g Mehl, 60g Hefe, 1 Eßl. Zucker, 1/3 Glas lauwarmen Milch herstellen und wenn er gegangen ist, dem hinzufügen:

400g Mehl, 8 Eidotter gerührt mit 80g Zucker, 1/4 l lauwarme Schlagsahne, etwas Vanillepulver, 1/3 Teel. Salz, Schnapsglas reinen Alkohol(25ml), eventuell etwas geriebene Zitronnenschale und alles gut durchkneten. Zum Schluß 150g zerlassene, lauwarme Butter einarbeiten und so lange kneten, bis der Teig nicht mehr an den Händen und der Schüssel klebt. Der Teig soll nicht sehr fest, glänzend und elastisch sein. Wenn der Teig zu gehen anfängt, mit dem Löffel Portionen von ca. 20g nehmen, kleine Plätzchen auf der Hand formen, 1/2 Teel. Füllung hineingeben, zusammenkleben und auf die geklebte Seite auf ein bemehltes Brett oder Leinentuch legen. Mit einem trockenen Tuch abdecken. Wenn sie ihre Größe verdoppelt haben, das Mehl mit einem Pinsel wegstreichen und portionsweise im heißen Fett braten, so dass sie locker schwimmen können ohne einander zu berühren, mit der Klebstelle nach oben ( in das Fett einige Scheiben der geschälten Kartoffel geben um das zu starke Anbräunen zu vermeiden). Wenn die "Küchle" sich von unten gebräunt haben, vorsichtig mit einer Spicknadel wenden, fertige auf dem Küchenpapiertuch abtropfen lassen. Noch warme "p¹czki" mit dem Puderzucker mit Vanille bestäuben oder glasieren und mit der fein geschnittenen kandisierten Orangenschale bestreuen.

 

Bigos (für ca. 15 Portionen)

Zutaten:

1kg Sauerkraut, 1 kg Weißkraut, 500g Wurst (z.B. Krakauer, Cabanossi, Speck), 500g Fleisch (z.B. verschiedeneBraten Brathähnchen), 1 große Zwiebel, 2 gehäufte Eßl. Schmalz, getrocknete Pilze, Pfeffer-, Pimentkörner und Wacholderbeeren, Lorbeerblatt, 1 zerkleinerte Knoblauchzehe, 4-5 Eßl. Tomatenmark, 1 Eßl. Zucker, einige gedörrte Zwetschgen.

Weißkraut (gehobelt und gesalzen) und Sauerkraut separat kochen. Die Zwiebel, Fleisch und Wurst in Würfel schneiden, im Fett anbraten und Kraut hinzufügen. Die Pilze 1 Stunde einweichen, salzen, kochen, schneiden und zusammen mit dem Sud und anderen Gewürzen dazu geben. Minimum 4 Stunden leicht köcheln lassen, man kann Bigos auch immer wieder abkühlen, kaltstellen und am nächsten Tag weiter machen. Sehr gut zum Einfrieren geeignet.